Der bereits im Jahr 2000 vorgestellte österreichische Suizidpräventionsplan besteht aus 10 Aktionspunkten. Er wurde von der Österreichischen Gesellschaft für Suizidprävention (ÖGS) übernommen und wird in Zusammenarbeit mit pro mente Österreich umgesetzt.

1. Bewusstseinsbildende Maßnahmen

Darunter versteht man die Förderung und Entwicklung der Diskussion im öffentlichen Raum um die Notwendigkeit der Suizidprävention.

2. Unterstützung und Behandlung

Psychosoziale Einrichtungen und medizinische Versorgung sind wesentliche Pfeiler der Suizidprävention. Die Erkennung, Behandlung und Unterstützung von psychisch Kranken und Menschen an der Schwelle zur psychischen Erkrankung ist die unabdingbare Voraussetzung für die Verhütung suizidaler Handlungen.

3. Kinder und Jugendliche

Die junge Bevölkerungsgruppe stellt eine besondere Herausforderung an die Suizidprävention, ermöglicht aber auch viel versprechende Ansätze wie Prävention durch Unterricht und über die vielfachen Institutionen der Wohlfahrt, Beratung und der schulpsychologischen Dienste. Suizidpräventionsansätze lassen sich gut in die bestehenden Präventionsprogramme bei Kindern und Jugendlichen integrieren. Diese Gruppe wird auch im Regierungsprogramm explizit erwähnt.

4. Erwachsene

Erwachsene stellen mit Beziehungs- und Eheproblemen, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und psychischen sowie körperlichen Erkrankungen eine heterogene Gruppe dar, die ebenso breite Strategien erfordert.

5. Ältere Menschen

Menschen über 60 Jahre haben die höchsten Suizidraten. Familiäre Konflikte, das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben und die zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden machen sie zu einer Altersgruppe die besonders vulnerabel ist.

6. Risikogruppen

Menschen die im Gesundheitssystem in Behandlung stehen stellen bereits eine selektierte Risikogruppe dar, die Schulung der betreuenden Personen in der Erkennung und Behandlung von Krisen und Suizidgefährdung steht daher an oberster Stelle.

7. Schulung und Entwicklung

Suizidprävention und Krisenmanagement sowie Umgang mit Risikogruppen kann gelernt und vermittelt werden. Suizidforschung und Entwicklung von Programmen ist die Grundlage der Suizidpräventionsaktivitäten.

8. Erreichbarkeit von Suizidmitteln

Die Verfügbarkeit von Suizidmitteln ist ein wesentlicher Faktor, der in präventiven Maßnahmen einen fixen und wissenschaftlich gut belegten Platz hat. Die Umsetzung restriktiver Maßnahmen ist in vielen Fällen gesundheitspolitisch kostengünstig und effizient. Solche Maßnahmen umfassen insbesondere für Risikogruppen, die Einschränkung des Zugangs zu privaten Schusswaffen oder rationale Medikamentenverordnungen und Packungsgrößen.

9. Zusammenführung regionalen Wissens

Die Entwicklung und Förderung von neuen lokalen Zentren für Suizidforschung und Prävention sowie die Entwicklung von Datenbasen und epidemiologischer Aufzeichnungen. Insbesondere in den letzten Jahren scheint die regionale Entwicklung von Interessensgruppen und Forschern deutlich vorangekommen zu sein.

10. Gesetzliche Voraussetzungen

Neben einer Etablierung einer gesetzlichen Grundlage für die Suizidprävention stehen zahlreiche andere politische Schnittstellen im Fokus suizidpräventiver Bemühungen. Einen Aspekt stellt etwa der Ruf nach einer Zugangsbeschränkung für private Schusswaffen dar aber auch für alle anderen Punkte des Suizidpräventionsplans findet sich die Notwendigkeit politische Akteure für das Unterfangen zu gewinnen.

 

 

Literatur: Sonneck, Gernot (Hg.). (1999) Suizidprävention in Österreich. Kriseninterventionszentrum Wien. Eigenverlag.
Sonneck, Gernot / Niederkrotenthaler, Thomas. (2008) Zum österreichischen Suizidpräventionsplan. Spektrum Psychiatrie 2/08:32-35.

Literatur zu beziehen über: wienerwerkstaette@suizidforschung.at